Archiv für die Kategorie ‘Design Life / Public Space’

On Target

Dezember 8, 2006

„On Target“ ist ein von Marcel Neundörfer in ein Urinal integriertes Interface, das per Urinstrahl bedient wird. Diese doch sehr unkonventionelle Art und Weise, mit einem Rechner zu interagieren, ist deswegen so interessant, weil es verschiedene Spiele / Modi gibt. So wird der Toilettenbesuch ein amüsantes Unterfangen, das laut Künstler, auch als hygienesteigernde Maßnahme gesehen werden kann.

On Target - So sieht's aus.

Interaktiver Bildschirm

Eine in ein Urinal eingelassene druckempfindliche Fläche verleitet den (männlichen) Toilettenbesucher, seinen Urinstrahl bewusst zu lenken, da er damit verschiedenste Prozesse auslösen kann: z.B. intuitiv Bilder kreieren, interaktive Games spielen (mit 15-sekündiger Zeitbeschränkung versteht sich, da ja die Harnblase auch irgendwann leer ist), oder Sounds zu erzeugen.


Games

Zur Person:
Marcel Neundörfer studiert Grafik Design bei Prof. Fons Hickmann auf der Universität für Angewandte Kunst Wien.

Links:
Website Marcel Neundörfer
Die Angewandte

Karlsplatz – Westpassage

Dezember 6, 2006

Heute geht’s in den öffentlichen Raum, genauer gesagt vor die „Haustür“ der TU. Zwischen Secession und Opernpassage wurde kürzlich ein vom kanadischen Künstler Ken Lum gestalteter U-Bahn-Zugang eröffnet, den ich wegen der dort angebrachten Medieninstallation auf diesem Blog vorstellen will. Dieses künstlerische Projekt im public space ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Stadt Wien den Kunstraum Karlsplatz längerfristig etablieren will.

Westpassagen-Abgang
Die Passage

Warum poste ich das hier auf dem uid-Blog? Der Design-Prozess beginnt bereits da, wo eine Auseiandersetzung des Designers / Künstlers / Technikers mit der zu lösenden Aufgabenstellung stattfindet und kann mit dem Bruch der Guidelines richtig gut werden.
Folgendes Zitat aus einem Standard-Artikel zur Eröffnung der Passage verdeutlicht diesen Sachverhalt:

In einem geladenen Wettbewerb hatte sich 2005 Ken Lum mit seinem Entwurf „Pi“ gegenüber acht Mitbewerbern aus dem In- und Ausland, darunter seine Landsfrau Angela Bulloch, der Brite Liam Gillick oder die Österreicher Dorit Margreiter, Martin Walde oder Heimo Zobernig durchgesetzt. Bemerkenswert erscheint da vor allem die Tatsache, dass sich Lum über die engen Vorgaben der Ausschreibung, lediglich die Vitrinenelemente, die gewöhnlich für die City Lights genutzt werden, zu gestalten, erfolgreich hinwegsetzte: Er hat die Passage und ihr Durchschreiten selbst zum Thema gemacht und die Architektur des gesamten Raumes mit aktueller Medientechnologie verknüpft.

Statistiken und Zahlenspiele

LED
in die Spiegel eingeätzte Schrift

Der Kanadier hat es geschafft, die transitäre Funktion einer Unterführung in den Hintergrund zu stellen. Die gezeigten Hard-Facts – „Weltbevölkerung„, „HIV-Infektionen„, „Hungernde Kinder„, sowie „Ausbreitung der Sahara in Hektar“ – mischen sich mit (nicht ganz ernstgemeinten) Zahlenspielen – „Verzehrte Wiener Schnitzel seit 1. Jänner„, „Verliebte in Wien„. Gerade der Mix aus ernstgemeinten Statistiken und ortsspezifischen Zahlen lädt den (deutschsprachigen) Vorbeigehenden zum Verweilen und Reflektieren ein.

Die Zahl Pi

Pi - live generierte End-Stellen

Interessant ist auch die (unendliche) Zahl Pi, deren 478 erste Stellen im Spiegel eingraviert sind – der Rest der Stellen wird live vom Computer berechnet, die 10 jüngsten Ziffern werden auf dem LED-Screen angezeigt. Diese Idee, den Passanten zur Selbst-Reflexion anzuregen, ohne unangenehm aufzufallen, verhalf Ken Lum zum Wettbewerbssieg.

Kunst / Design / Soziales

Der Gesellschaft wird der sprichwörtliche Spiegel vorgehalten, während die Zahlen beobachtet werden – Das Design dieser Rauminstallation und deren Wechelspiel mit örtlichen Gegebenheiten ist somit selbst ein Teil des Kunstwerkes.

Wo:
Die Passage ist leicht zu finden: Einfach von der TU kommend an der Eingangsseite der Secession vorbei gehen.

Links:
Ken Lum’s Personal Website

Citybike Wien – Terminal

Oktober 30, 2006

Jede/r Wiener/in kennt sie: Die Citybike-Terminals, bei denen man ein für eine Stunde kostenloses Fahrrad ausborgen kann, um damit zur nächsten Bike-Station zu gelangen. Diese 50 baugleichen Bike-Terminals sind quer über das innerstädtische Gebiet an Plätzen mit hohem Menschenaufkommen verstreut.

Startbildschirm
Bevor man überhaupt erst eine Taste gedrückt hat, bekommt man folgenden Screen zu Gesicht:

Startbildschirm

Hier fällt auf, das die eigentlichen Bedienelemente links (weniger wichtige Optionen) und unten (Optionen zum Ausleihen der Räder, also wichtig) angeordnet sind, wo man sie als Erstuser nicht unbedingt vermuten würde. Einen ziemlich großen Platzbedarf hat der Informationsteil rechts (weißer Hintergrund), der ungefähr alle 8-10 Sekunden wechselt und somit Unruhe ins Design bringt.

Das Design selbst wirkt Frameset-artig, vielleicht wäre es besser gewesen, die häufig benutzten Bedienelemente mittiger anzuordnen, oder präsenter zu markieren. Das Interface-Design wirkt besser/schlechter, ganz je nachdem, welcher Infoteil gerade im Hauptfenster eingeblendet wird.

Startbildschirm – Detailansicht Fahrradausleihe
Der eigentliche Nutzen des Systems verbirgt sich hinter vier verschiedenen Zahlungsmöglichkeits-Buttons – die wohl etwas zu unauffällig mit der Aufforderung „Wählen Sie die Art der Entlehnung“ betitelt wurden.

Startbildschirm Detailansicht

Dann – Feedback – Das System ruft die vorhandenen (sprich die um das Terminal in verriegelten Radständern stehenden) Fahrräder ab:

Startbildschirm Detailansicht

Einmal registriert (auch übers Internet möglich), wird man mit eingeschobener Bankomatkarte sofort namentlich identifiziert, Benutzer-ID muss keine eingeben werden:

Startbildschirm Detailansicht

Man wählt aus den verfügbaren Fahrrädern. Sollte z.B Rad Nummer 3 bereits unterwegs sein, wird die Nummer durchgestrichen mit einem roten X angezeigt, diese kann man dann auch nicht anwählen.

Es folgt eine Passworteingabe, dann kann man das Fahrrad an der Station „entlocken“.

Fazit:
+ unkompliziertes System
+ schnelle Identifizierung
+ Übersichtskarte / mit allen Citybike – Terminals

- Sprachauswahl hat keine Auswirkung auf Infos im Hauptfenster
- nicht ersichtlich auf welchen Terminals noch freie Fahrradplätze sind