Archiv für die Kategorie ‘Design Life / Electric Devices’

reacTable

Februar 2, 2007

Dank eines Beitrags eines Kollegen (Christoph) in den Kommentaren des LVA-Blogs wurde ich auf reacTable, ein Projekt der Music Technology Group der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona, aufmerksam.

reacTable

reacTable ist ein „state-of-the-art multi-user electro-acoustic music instrument with a tabletop tangible user interface„. Laut Projektbeschreibung sei die Benutzeroberfläche so intuitiv, dass der reacTable sowohl von Kleinkindern sofort nutzbar, als auch von professionellen Musikern live einsetzbar ist.

Zur Veranschaulichung dienen die drei folgenden Videos.

Weitere Videos:
Basic Demo #1
Basic Demo #2
Live-Improvisation

Links:
reacTable Website
Music Technology Group Website

MP3-Player-Interface

Dezember 13, 2006

Um mit einem MP3 Player, auf dem man täglich seine Lieblingsmusik abspielt, vollkommen zufrieden sein zu können, muss ausser der guten Abspielqualität auch noch eine gute Menüführung gegeben sein.

Eine gute Freundin von mir hat kürzlich einen No-Name-Player auf ebay erstanden, den sie mir dankenswerter Weise für ein kurzes Review geliehen hat. Hierbei ist es zwar mit der Abspielqualität nicht so dramatisch, dafür ist die Benutzerfreundlichkeit umso katastrophaler.

Die Bedientasten

Man merkt aufgrund der Proportionen des Players, dass sich die Entwickler den iPod nano als Vorbild genommen haben. Ein kleiner Jogwheel-Ansatz (der allerdings keine Funktion inne hat) unterstreicht das noch.

Hauptmenü

Nach dem Einschalten gelangt man ins Hauptmenü, das folgendermaßen aussieht:

Einschalten

Klare Strukturen, sollte man meinen. 4 Menüpunkte können in der Leiste unten angewählt werden – je nachdem wird dann im restlichen Bildschirmbereich ein Hoverbild angezeigt. Mit den Rewind und Forward Tasten jongliert man durch das Menü, das zu allem Überdruss statt acht neun Menüpunkte enthält. Das hat man hier so gelöst, dass der letzte Eintrag „Games“ beim durchklicken an derselben Stelle, an der man den Punkt „Musik“ erwarten würde steht:

Games?

Im Bild sieht man, dass „Musik“ – der Punkt den ich als nächstes anwählen würde – rosa eingezeichnet ist, obwohl er danach blau wird. Konsistenz ist hier nicht gegeben, zumal sich die Entwickler auch bei einigen Hover-Effekten „vertan“ haben:
Bsp.: Menüpunkt ist eigentlich grün, Hover auf einmal rosa!?

Auswahltaste

Um eine Auswahl zu bestätigen / einen Menüpunkt anzuwählen verwendet man hauptsächlich Enter / Set / OK Tasten und dergleichen. Bei einigen MP3-Playern ist diese Möglichkeit nicht immer gegeben, bei Apples iPod zum Beispiel gibt es eine – zwar namenlose – Taste im Zentrum des Jogrades, allerdings ist hier rein optisch vollkommen klar, was die Taste macht. Nämlich dasselbe wie eine OK-Taste.

Wo ist die OK-Taste?
Wo ist die OK-Taste?

Bei diesem Modell liegt die Play-Taste im Zentrum, naheliegend – und komfortabel – wäre eine Enterfunktion – Leider hat man stattdessen entschieden, die „MENU“-Taste als Auswahltaste zu verwenden, was aus Benutzersicht natürlich wenig bis keinen Sinn macht, da man MENU eher als BACK-Taste kennt.

Sonstige Probleme

Wenn man die Lautstärke regeln will, muss man zuerst mit der VOL-Taste die REW/FF Tasten in den Volume-Modus schalten. Sehr unangenehm, wenn man die Lautstärke öfters nachregelen will.

Die Menüstruktur ist auch weniger intuitiv, da es ja keine BACK-Taste gibt, muss man immer auf das Root-Verzeichnis der jeweiligen Ordnerebene wechseln – Wenn man also gerne einzelne Tracks aus verschiedenen Alben hören will, bedarf dies eines großen Arbeitsaufwands.

Rootverzeichnisse
„Local Folder“ – Für den User nicht interessant.

Fazit

Was besonders schade ist: Bei diesem Player haben die Macher darauf Wert gelegt, einen hohen Funktionsumfang zu bieten – was allerdings schwerst zulasten des Komforts gegangen ist. Das Prinzip „weniger ist mehr“ galt hier nicht als Credo bei der Entwicklung.

Keyboards – Pitch Bend

November 14, 2006

Diesmal was ganz anderes. Keyboards (Instrumente, nicht Computertastaturen) oder Synthesizer, wie wir sie heute in ihrer Erscheinung kennen, existieren seit den späten 70ern. Robert Moog, der Erfinder des „Minimoog“ war der erste, der einen tragbaren monophonen Synthesizer baute und erfolgreich verkaufte.

MinimoogMinimoog

User Interface Design bei Keyboards?

Auch Musikinstrumente wie Keyboards und Hardware-Synthesizer müssen auf den Anwender, sprich den Musiker, zugeschnitten sein, er/sie muss damit ja täglich arbeiten. Bedienungsanleitungen sind hier unerlässlich, da das Interface nicht rein auf Symbolen und Mapping aufbauen kann. Dafür ist das Instrument mit all seinen Anwendungsmöglichkeiten viel zu komplex.

CC Flickr.com

Das Feedback über getroffene Änderungen (z.B Chorus-Effekt) gibt der Ton, der erzeugt wird, selbst. Im Falle von heute üblichen digitalen Keyboards werden Einstellungen zusätzlich als Nummern per LCD-Screen oder Leuchtdioden übermittelt.

Fallbeispiel: Das Pitch-Bend

Pitch“ bezeichnet in der DJ-Szene die Geschwindigkeit, mit der eine Platte gedreht wird (in rpm – rounds per minute). Der DJ kann die rpm-Anzahl per Pitchregler manuell einstellen.

In diesem Fall meine ich jedoch die Tonhöhenverstellung per Handrand, das bei sämtlichen (guten) Keyboards zu finden ist. Früher bewegte man sich im Halbtonbereich, heute sind bereits wesentlich größere Intervallsprünge möglich. Schon bei Robert Moogs Modell war ein Handrad integriert (auf dem Bild des Minimoogs eines der beiden vertikalen Schiebereglern), was sich dann in der Branche und bei späteren digitalen Modellen als Standard durchgesetzt hat.

Pitch bend
Pitchbend beim KAWAI K4

Das Pitch-Bend ist eine geniale wie einfache Erfindung, sind damit doch eine Vielzahl von Möglichkeiten gegeben, experimentelle Musik zu machen und Sounds zu kreieren. Der Musiker greift hier direkt in das Gespielte ein, er manipuliert bei einem MIDI-fähigen Keyboard (modifiziert) die Attribute der Noten (Tonhöhe) – die auch nichts anderes als Daten sind – direkt. Hier liegt auch der Zusammenhang mit der Informatik.

Pitch Bends lassen sich nur mit Widerstand betätigen. Im Inneren ist eine kleine Feder eingebaut, die das Handrad wieder in die Ausgangsposition zurückgleiten lässt. So lässt sich die Tonmodifikation auch haptisch gut wahrnehmen.

Soundbeispiel

Ich arbeite leider noch mit einem Uralt-KAWAI K4 Masterkeyboard aus den Achtzigern, das auch sinnbildlich für den damaligen Sound steht. So hört sich (sehr langsames) Pitch Bend überhaupt an.

KAWAI K4 – Pitch Bend anhören

In die Zeit eingreifen…

Oktober 27, 2006

Was haben Videorecorder, Stereoanlage, DVD-Player, Handy, Mp3-Player und Herduhren gemeinsam? Sie alle bieten uns ein Interface, um die Zeitanzeige zweimal jährlich auf Sommer- oder Winterzeit umzustellen. Und sie alle arbeiten mit vollkommen verschiedenen Mitteln.

Fallbeispiel Herduhr (Firma AEG)

Das Interface

Fürs Zeitumstellen beim Herd in meiner Küche brauche ich beide Hände, um damit drei Knöpfe gleichzeitig bedienen zu können. Intuitiv ist das natürlich nicht, da zusätzlich die Symbole äußerst schlecht gewählt worden sind.

Zeitumstellen

Deren gibt es zwar nur vier, trotzdem kommt man bei Gedrückthalten nur eines Knopfes und dem Betätigen des Wahlrades nicht weit – die richtige Kombination aus zwei Knöpfen entscheidet, ob man fortan in der Küche weiter den Sommer- bzw. Winterrhythmus lebt. Somit fordere ich (mit zynischem Unterton): Herde ans Internet!

Lösungsvorschlag:
Wenn man nur das große Wahlrad rechts im Bild betätigt, passiert nichts, es ist mit keiner Funktion belegt, das haben die Hersteller verschenkt. Unabsichtliche Betätigung kann auch nicht der Grund gewesen sein, da sich das Wahlrad mit Widerstand bewegen lässt. Eine wichtige Funktion (z.B. Alarm einstellen) hätte hier noch Platz gefunden, man hätte auf einen Knopf verzichten können.