Kürzlich habe ich mir im Kino den Hollywood-Film „Déjà vu“ mit Denzel Washington in der Hauptrolle angesehen. Die Story in Kürze: ATF Agent (Washington) reist durch die Zeit um einen Anschlag zu verhindern, die Raumkrümmung und ein komplexes Softwaresystem müssen als Erklärung dafür herhalten. Interessant für InformatikerInnen ist hier weniger der eigentliche Plot, sondern vielmehr die Art, wie dem zahlenden Kinopublikum im Allgemeinen futuristische Computersysteme und im Speziellen deren User Interfaces präsentiert werden.

Denzel Washington vor einem Softwaresystem, in dem Vergangenheit und Gegenwart keine Rolle spielt.
Komplexität
O-Ton: „Das sieht zu einfach aus. Wie soll das denn bitte in Wirklichkeit so einen Funktionsumfang haben können?“.
Dem Kinobesucher wird Funktionsumfang durch möglichst viele und kompliziert gestaltete Elemente so weit vorgegaukelt, dass eventuelle Kritiker, die die Technik und den Realitätsbezug der Software in Frage stellen könnten, rasch verstummen. So wird in Filmen Technik oft zu einem Komplexitätsgrad hochstilisiert, der für „normale“ Anwender nicht mehr verständlich ist.
Dialogboxen
Es gibt unzählige Agentenfilme, in denen ein System – meistens vom Hauptdarsteller – gehackt wird. Je nach Erfolg des Protagonisten werden riesige „Access Denied“ bzw. „Access Granted“ Dialog-Boxen (übrigens meistens in übergroßen Lettern auf grünem bzw. rotem Hintergrund) angezeigt. Sie machen zwar den Sachverhalt für Nicht-Computernutzer klar, sind aber in der Realität vernachlässigbar, da man nach einem erfolgreichen Loginvorgang direkt auf seinem Home-Screen landen sollte. Große, bildschirmfüllende Botschaften haben aber auch in der Filmbranche ihr Ablaufdatum bereits überschritten.
Filmszenen, in denen aufpoppende, mit Sound unterlegte „You’ve got mail“ Messages vorkommen, würden aneinandergereiht wahrscheinlich Abendfilmlänge weit überschreiten. Umgemünzt auf den Alltag wäre es allerdings ein Graus, jeder Junk-Mail, die ins Postfach kommt, je 5 Sekunden Aufmerksamkeit schenken zu müssen.
Intuitive Steuerung
„Minority Report“ mit Tom Cruise ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Autor, Regisseur und professionelle UI-Designer sehr wohl den Kopf darüber zerbrochen haben, wie man neue Wege in der Steuerung eines Systems gehen könnte.

Tom Cruise mit „reflective gloves“
slashdot.org berichtet, das in Minority Report verwendete UI sei auch für das Militär interessant:
„New Scientist is reporting that a ‘Minority Report’ style interface is being developed by defense company Raytheon. Users don a pair of reflective gloves and manipulate images projected on a panoramic screen. A mounted camera keeps track of hand movements and a computer interprets gestures. Raytheon has even employed John Underkoffler, the researcher who proposed the interface to the makers of the film. Now just wait till Billboards start scanning your iris.“
Fazit
Filme mit Zukunftszenarios sind immer dann problematisch, wenn sie versuchen, kommende Technologien „vorherzusehen“. In den 80ern war es gang und gebe anzunehmen, dass die Sprachsteuerung künftig eine zentrale Rolle in der Computerwelt einnehmen würde. Mittlerweile hat sich das allerdings – z.B bei Officeanwendungen – als relativ ineffizient herausgestellt.
Kino kann allerdings auch neue Denkanstöße geben – Dadurch, dass ein UI primär dem Zweck dient, eine narrative Rolle einnimmt. UI Designer sind gefordert, den Spagat zwischen Filmnutzen und Realitätsbezug zu schaffen – allerinngs kann es umgekehrt sehr wohl vorkommen, dass ein kreatives und vor allem innovatives Movie-UI in der realen Welt Platz und Verwendung findet.


