Heute geht’s in den öffentlichen Raum, genauer gesagt vor die “Haustür” der TU. Zwischen Secession und Opernpassage wurde kürzlich ein vom kanadischen Künstler Ken Lum gestalteter U-Bahn-Zugang eröffnet, den ich wegen der dort angebrachten Medieninstallation auf diesem Blog vorstellen will. Dieses künstlerische Projekt im public space ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Stadt Wien den Kunstraum Karlsplatz längerfristig etablieren will.


Warum poste ich das hier auf dem uid-Blog? Der Design-Prozess beginnt bereits da, wo eine Auseiandersetzung des Designers / Künstlers / Technikers mit der zu lösenden Aufgabenstellung stattfindet und kann mit dem Bruch der Guidelines richtig gut werden.
Folgendes Zitat aus einem Standard-Artikel zur Eröffnung der Passage verdeutlicht diesen Sachverhalt:
In einem geladenen Wettbewerb hatte sich 2005 Ken Lum mit seinem Entwurf “Pi” gegenüber acht Mitbewerbern aus dem In- und Ausland, darunter seine Landsfrau Angela Bulloch, der Brite Liam Gillick oder die Österreicher Dorit Margreiter, Martin Walde oder Heimo Zobernig durchgesetzt. Bemerkenswert erscheint da vor allem die Tatsache, dass sich Lum über die engen Vorgaben der Ausschreibung, lediglich die Vitrinenelemente, die gewöhnlich für die City Lights genutzt werden, zu gestalten, erfolgreich hinwegsetzte: Er hat die Passage und ihr Durchschreiten selbst zum Thema gemacht und die Architektur des gesamten Raumes mit aktueller Medientechnologie verknüpft.
Statistiken und Zahlenspiele


Der Kanadier hat es geschafft, die transitäre Funktion einer Unterführung in den Hintergrund zu stellen. Die gezeigten Hard-Facts – “Weltbevölkerung“, “HIV-Infektionen“, “Hungernde Kinder“, sowie “Ausbreitung der Sahara in Hektar” – mischen sich mit (nicht ganz ernstgemeinten) Zahlenspielen – “Verzehrte Wiener Schnitzel seit 1. Jänner“, “Verliebte in Wien“. Gerade der Mix aus ernstgemeinten Statistiken und ortsspezifischen Zahlen lädt den (deutschsprachigen) Vorbeigehenden zum Verweilen und Reflektieren ein.
Die Zahl Pi

Interessant ist auch die (unendliche) Zahl Pi, deren 478 erste Stellen im Spiegel eingraviert sind – der Rest der Stellen wird live vom Computer berechnet, die 10 jüngsten Ziffern werden auf dem LED-Screen angezeigt. Diese Idee, den Passanten zur Selbst-Reflexion anzuregen, ohne unangenehm aufzufallen, verhalf Ken Lum zum Wettbewerbssieg.
Kunst / Design / Soziales
Der Gesellschaft wird der sprichwörtliche Spiegel vorgehalten, während die Zahlen beobachtet werden – Das Design dieser Rauminstallation und deren Wechelspiel mit örtlichen Gegebenheiten ist somit selbst ein Teil des Kunstwerkes.
Wo:
Die Passage ist leicht zu finden: Einfach von der TU kommend an der Eingangsseite der Secession vorbei gehen.
Links:
Ken Lum’s Personal Website
Dezember 7, 2006 um 4:35
Zahlen lösen einfach eine enorme Faszination aus. Immer noch. Gerade bei Sachen, die unser Vorstellungsvermögen zu sprengen scheinen, oder wo wir einfach den Überblick verloren haben.
Der Durchgang ist wirklich gelungen.
Dezember 7, 2006 um 6:04
Finde ich auch, ich geh jetzt öfter einfach nur deswegen diesen Weg
Mai 5, 2008 um 9:16
i do not have a personal website. the link you have is to another person with the same name.