Myspace.com

By resign

Myspace.com ist mit derzeit mehr als 130 Mio. Usern zur größten Online-Blog-Community der Welt avanciert – Tendenz: steigend.

Startseite Myspace
Index von Myspace

Das ist die Startseite, den man zu sehen bekommt, wenn man Myspace.com aufruft. Keine auf Anhieb erkennbare Struktur, nur ein paar Table-förmige Einträge („Cool New People“, „Cool New Videos“) findet man hier vor. Viel zu viele Schriftarten und -größen bestimmen das Schriftbild; langweilige Farben und Unübersichtlichkeit lassen Zweifel am ästhetischen Erscheinungsbild der Seite aufkommen.

Warum dann so erfolgreich?

Sofort drängt sich die Frage auf: „Wie kann eine Seite, die so aussieht, täglich soviele neue User anziehenen?“. Myspace ist eine Online Community, die im Gegensatz zu anderen Communities viel mehr auf das Networking-Prinzip setzt. Adde ich eine Person zu meiner Friends List, erscheine ich gleich dort in seiner/ihrer Buddy-List. Ich wiederum werde nun von anderen Usern gefunden, geaddet, usw.

„______ is in your extended Network“ – Der Myspace – Slogan

So ist man in Windeseile in des anderen „extended network“. Myspace hat somit einen sehr hohen emotionalen Wert bei den Usern, man ist schnell unter Menschen.

Gerade für Musiker oder Musik-Konsumenten birgt die Sub-Plattform Myspace-Music ungeahntes Potenzial. Nahezu jeder namhafte Interpret, engagierter Newcomer und Vertreter der Undergroundszene ist vertreten. Songs können gestreamt und online gestellt werden, schnell ist der Kontakt mit potenziellen Fans hergestellt.

Funktionalität

Sobald man registrierter Benutzer bei Myspace ist, steht man nun vor der Frage, wie man sein Profil nun an seine eigenen Vorstellungen anpassen kann, ist doch das Standard-Layout (blau/weiss) nicht jedermanns Sache.

Ganz im Gegensatz zu anderen Blog-Communities, auf denen man nur aus einer bestimmten Anzahl aus Funktionen / Layouts wählen kann, wird einem bei Myspace vollkommen freie Hand gelassen.

Das hat natürlich Vorteile. So kann man das Aussehen ebendieser persönlichen Seite (mit viel Ausdauer und Kenntnis der Materie) ohne Einschränkung an seine eigenen Wünsche anpassen und trotzdem vom gesamten Umfang der Community profitieren.

Das zentrale Design- und Usability Defizit von Myspace ist jedoch, wie man sein Profil editiert. Mittels HTML-Code und CSS nämlich, die man als Textfetzen an einer völlig unintuitiv gewählten Stelle in den Profilsettings einfügt (unter „Edit Profile > About Me > Bio“).

Das völlig veraltete Layout von Myspace basiert noch auf Tabellen, die in weiteren Tabellen verschachtelt sind. Diese Table-tags beschreibt man als User nun per CSS. Allerdings muss man hierfür erst lange im Internet recherchieren, welche Elemente an welcher Stelle im Layout stehen (Namen wie „.whitetext12, .lightbluetext8, .orangetext15″ sprechen NICHT für sich selbst), wenn man nicht eines der zahlreichen Chaos-Code-Layout Tools verwenden will.

Code-EditierenEingefügtes HTML und CSS in Myspace

Wer schon einmal HTML Code editiert hat, dem stößt obiges Bild sauer auf. Fernab jeglicher Übersicht schlägt man sich im Code-Wirrwarr herum, man kann die Tags ja nicht umbenennen.

Menschen, die mit HTML/CSS und Design generell nichts am Hut haben, können dem Browsing-Spass aufgrund der uneingeschränkten Möglichkeit Code-Schnipsel einzubauen ein jähes Ende bereiten. So ist es nicht weiter verwunderlich, das aufgrund mangelnder Kompetenz solche „Designs“ herauskommen:

Myspace-Alltag: Viel mehr schlechte als gute Layouts
Myspace-Alltag: Viel mehr schlechte als gute Layouts

Lösungsansätze

Ein simpler Lösungsansatz wäre eine Umbennung der Tags in sprechendere Namen wie z.B: „Contact_Table“ für die Tabelle, die die Kontakt-Buttons enthält. Ein Myspace-interner HTML-Editor, bei dem vor allem Anfänger nicht viel falsch machen können, wäre ebenso eine Möglichkeit.

Über kurz oder lang muss sich Myspace.com vielmehr an HTML und CSS Standards der W3 orientieren. Tabellen sind im Webdesign schon lange nicht mehr die optimale Lösung zum Erstellen von Layouts, viel besser wäre es, vermehrt auf DIVs und CSS zu setzen. Natürlich ist man, wenn man sich an Standards hält, viel eingeschränkter, als wenn man dies nicht tun würde. Im Endeffekt ist ein strukturierteres, übersichtlichers, leicher und logischer zu bedienendes Myspace im Sinne aller Nutzer/innen.

Link:
Myspace

6 Antworten zu „Myspace.com“

  1. morbei sagt:

    Guter Eintrag!
    MySpace ist wirklich eine Krücke der Online-Community-Welt, die scheinbar nicht mehr zu ersetzen ist. Dennoch ist es wohl der Mix aus „einfacher“ Bedienung und der zahlreichen Möglichkeiten, die MySpace so erfolgreich machen – aber nicht schön.

  2. christian sagt:

    ich kann mich deiner kritik an myspace bedingt anschließen.
    du hast mit allem was du sagst recht, ruderst aber IMO nur um peanuts herum, den zentrale flaw von myspace sehe ich im konzept selbst. das interface design ist schlecht, „sieht aus, wie aus dem hintern einer kuh/eines pferds gezogen“, find ich auch. aber wirklich problematisch ist doch der inhalt. bzw der nicht-inhalt, den 90% aller myspace accounts ausmachen, weil die große handlungsfreiheit der user verbunden mit totaler konzeptlosigkeit der macher fast zwangsweise zu der immergleichen website von homer simpson führen (die mit dem tanzenden jesus, du erinnerst dich).

  3. resign sagt:

    danke für eure comments.
    @christian: vollkommen richtig – diesen aspekt habe ich nicht beleuchtet.

    was leute auf ihre myspace seiten stellen (analog zu „normalen“ privaten webseiten) ist natürlich auch in gewissem mass steuerbar: ich kann natürlich gewisse HTML tags verbieten, somit ist es z.b. nicht möglich videos zu posten. ich kann ein thema vorgeben, an das sich alle halten sollen. ich kann das layout so sehr einschränken, dass es nur bedingt möglich ist, das template zu ändern.

    der schuss, jedem user „freie“ hand bei der gestaltung des blogs zu lassen ist nach hinten los gegangen, da stimme ich dir auch zu – aber mir gings eben um gewisse teilbereiche von myspace – im speziellen das furchtbar unkomfortable editieren des blogs und den code-wirrwarr.

  4. christian sagt:

    zum thema code-wirrwarr:
    das tu-elearning portal tuwel.tuwien.ac.at hat auch einige fragwürdige funktionen. ich weiß zwar nicht, ob das jetzt auf die kappe von lva-leiter oder tuwel geht, aber als ich mich für ein abgabegespräch anmelden wollte musste ich mich in eine 500seitige html-codeseite neben das richtige feld eintragen… *tilt*

    zum thema freie hand:
    ich meinte nicht so sehr, durch einschränkungen konzepte zu schaffen als überhaupt einmal zu überlegen, was das ganze portal denn können soll. es hat irgendwo was von zen, weil einerseits sollen die user den inhalt komplett selber einbringen, andererseits muss aber ein gut durchdachter rahmen dem ganzen einen sinn geben; mir fehlt die idee dahinter. der name myspace und der slogan „a place for friends“ deutet auf die idee der macher hin, die etwa so ausschaut: einfach den privaten raum eines jeden auf ein internetportal portieren, und dann dort, wo dieser raum nur einen klick weit vom nächsten entfernt ist, auf irgendwelche synergien hoffen. aber einerseits ist von allem etwas auch nichts wirklich (alle (wenigen) großen und erfolgreichen ecommercler haben sich eigentlich jeweils auf eine einzige funktion beschränkt, und erst dahinter ihre vielseitigkeit aufgebaut.), andererseits ist myspace eigentlich ein einzigartiges massenmedium für jedermann. und so selbstdarstellerisch (wertfrei) sind wir einfach noch nicht, als dass eine signifikante zahl an menschen dieses portal jemals voll ausnützen könnte. (vielleicht ist myspace seiner zeit voraus?) youtube z.b. beschränkt sich auf 1 funktion, die größenordnungsmässig nur ein aspekt von myspace wäre.

    naja. vielleicht fehlt es den menschen einfach noch an praxis im gestalterischen umgang mit dem internet. myspace bietet genau das (ein weißes a4-blatt für jeden auf der plakatwand) aber die zielgruppe, die es nicht nur versteht eine seite mit inhalten zu füllen sondern auch von allen anderen usern zu profitieren und an diesem austausch teilzunehmen gibt es einfach (noch) nicht. der produktwerbung kommt so ein portal gelegen (wie pp schon sagte, ein neues produkt hat oft auch einen myspace-account), weil sie ihre strategien auf diesem massenmedium gut umsetzen kann.

  5. bluesaffairs sagt:

    ich finde myspace als Musiker gut, weil ich dort kostenlos, mit einfachen Mitteln und schnell eine informative Seite bauen kann, mit Infos, Fotos und Musik zum Anhören, und dann auch noch schnell Kontakt bekomme zu anderen Musikern und Fans. Was will man mehr, wo sonst gibt es das ?

    Oder ich wähle z.B. Norwegen und ein Genre : z.B. Blues und entdecke sofort geile Musik, die zu mir passt. Das begeistert mich.

    Thomas

  6. fuenfpunktnull.de» Blogarchiv » Liebes MySpace-Team sagt:

    [...] Zum Schluss machte ich dann aus purer Gewohnheit noch einen W3C Validations-Check. 150 Fehler… nicht schlecht. Ihr habt ja recht, Standards werden generell überbewertet, also schloss ich das Fenster auch schnell wieder. Ich kann diese Miesmacher einfach nicht verstehen! [...]

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